Geschlechtergerechte Ansätze in Suchtarbeit und Prävention
Sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in ihrem jeweiligen Suchtverhalten tatsächlich so immens, dass sie eine entscheidendere Rolle in der Versorgungspraxis und Prävention spielen sollten?
Die Antwort darauf ist mittlerweile zumindest theoretisch bei vielen Professionellen ein klares Ja. Suchterkrankungen bei Frauen und Männern weisen viele Unterschiede in den Ursachen, der Ausprägung und den Verläufen auf. So sind zum Beispiel zwei Drittel der von illegalen Drogen und Alkohol Abhängigen in Deutschland Männer, bei der Medikamentenabhängigkeit stellt sich dieses Verhältnis genau umgekehrt dar: Zwei von drei Betroffenen sind Frauen. Auch der gesellschaftliche Umgang mit suchtkranken Frauen und Männern ist verschieden. Dies macht unterschiedliche Beratungs- und Behandlungsansätze notwendig.
Trotz dieser Unterschiede ist eine geschlechtsspezifische Herangehensweise bislang weder in der Suchttherapie, -beratung oder prävention eine Alltagsroutine geworden. Es gibt eine Fülle guter Konzepte, für die aber eine Umsetzung in der Fläche noch aussteht. Die Geschlechtsspezifität der Suchtarbeit beschränkt sich häufig entweder auf einzelne Angebotssegmente oder eben darauf spezialisierte Einrichtungen. Dabei sind die Potenziale einer geschlechtergerechten Ausrichtung der Suchtarbeit immens.
Die XVIII. Niedersächsische Suchkonferenz stellt geschlechtergerechte Ansätze in den Mittelpunkt der Diskussion und will so einen Beitrag dazu leisten, dass nicht nur theoretisch die Frage nach geschlechtsdifferenzierenden Konzepten bejaht wird, sondern auch in der Alltagspraxis umgesetzt wird.
Tagungsprogramm:
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09:30 Uhr :: Anmeldung und Stehkaffee 10:00 Uhr :: Eröffnung und Begrüßung N.N. Niedersächsisches Ministerium f. Soziales, Frauen, Familie u. Gesundheit Sabine Brägelmann-Tan, Landesdrogenbeauftragte 10:15 Uhr :: Forschungsstand zur geschlechtsspezifischen medizinischen Suchtforschung Prof. Dr. Ursula Havemann-Reinecke, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Göttingen 10:45 Uhr :: » Konsummuster von Frauen und Männern - Gemeinsamkeiten und Unterschiede [299 KB] Prof. Dr. Irmgard Vogt, Institut für Suchtforschung (ISFF), Frankfurt am Main 11:15 Uhr :: Kaffeepause 11:30 Uhr :: » Leitfaden zur männerspezifischen Sucht- und Drogenarbeit - Erfahrungen seit 2006 [439 KB] Prof. Dr. Heino Stöver, Universität Bremen 12:00 Uhr :: » Suchtprävention als „klassisches“ Feld geschlechtergerechter Prävention? [45 KB] Prof. Dr. Cornelia Helfferich, Sozialwissenschaftliches Frauenforschungsinstitut, Freiburg 12:30 Uhr :: Vorstellen der Workshops 12:45 Uhr :: Mittagspause 13:45 Uhr :: Workshops: :: WS1 Essstörungen als Suchtproblem bei Frauen Sabine Timme, Amanda e.V., Hannover :: WS2 Suchthilfeangebote für Frauen Barbara Bartel, Diakonisches Werk, Stadtverband Hannover :: WS3 Lebensweltnahe und zielgruppenspezifische Methoden in der präventiven Arbeit Prof. Dr. Heino Stöver und Andreas Haase :: WS4 Computerspiel-„sucht“ als ein Ausdruck männlicher Sozialisationsproblematik Eberhard Freitag, return – Fachstelle für exzessiven Medienkonsum – Neues Land e.V., Hannover 15:45 Uhr :: Pause 16:00 Uhr :: » Neue Süchte und Geschlecht [1.188 KB] Chantal Mörsen, Medizinischen Psychologie und Medizinischen Soziologie / Kompetenzzentrum Verhaltenssucht, Mainz ca. 16:30 Uhr :: Ende der Veranstaltung |